ungewöhnliche Geschäftsidee aus Metall
Maßgeschneiderte Anzüge ja, aber maßgeschneidertes Metall? Die Idee dazu hatte der mittelständische Fertigungsspezialist für Maschinen- und Anlagebau, Mez Frintrop aus Reutlingen, im Rahmen strategischer Überlegungen. Nach einer wirtschaftlichen Talfahrt wollten die Schwaben Mitte 2004 mit neuen Service-Angeboten neue Kundengruppen wie Heimwerker und kreative Selbstbauer ansprechen. Schließlich, so dachten die schwäbischen Manager, sei ihr Hauptarbeitsmittel Metall ebenso multifunktional einsetzbar wie Holz und ein spannendes Material für Haus und Hof – egal ob als Blumenkübel, Buchstabe an der Haustür oder Dekor rund um den Kamin.
Als größtes Problem im B-to-C-Geschäft sahen die Maschinenbauer allerdings den Organisationsaufwand. Denn Einzelanfertigungen erfordern in der Regel viel persönliche Beratung. Das macht Aufträge mit niedrigen Bestellvolumina schnell unrentabel. Doch ein Ausweg aus dem Dilemma war schnell gefunden: Ein weitgehend automatisierter Vertrieb über das Internet sollte effizienteres Arbeiten und Kosteneinsparungen ermöglichen. Obwohl bisher keine Berührungspunkte zum Internet bestanden, gründete das Unternehmen kurzerhand eine Internet-Gesellschaft als eigenständige GmbH. Und nach einem Brainstorming zum künftigen Firmennamen hatte der Sohn des Geschäftsführers Horst Blumenstock den entscheidenden Gedankenblitz: Mm4u sollte die Firma heißen – “Metal made for you”. Vor dem Marktstart brauchten die findigen Schwaben jedoch erst einmal ein Software-Konzept, das dem Kunden eine möglichst einfache und intuitive Bestellmöglichkeit bieten sollte. Wichtigster Bestandteil war ein Konfigurator, der nicht einfach nur verschiedene Formen, Farben und Materialien – von gebürstet bis Stahl-Lochblech – bereitstellen, sondern das Metall auch individuell zuschneiden können sollte. “Das war eine technische Herausforderung, denn so etwas gab es noch nicht”, erinnert sich Blumenstock.
Gängige Konfiguratoren, wie man sie von den Websites diverser Automobilhersteller kennt, lassen den Anwender nämlich bislang nur nach einer Art Baukastenprinzip vorhandene Ausstattungsmerkmale wie “Innenausstattung Leder” und die Autofarbe kombinieren, bei Mm4u hingegen sind der Mix und die Maße jedoch völlig frei.
Gemeinsam mit der Software-Firma Omeco aus Weilerbach entwickelten Blumenstock und seine Kollegen einen Konfigurator, der Interessenten jeden gewünschten Freiraum lässt. Nachdem der Kunde aus insgesamt 14 verschiedenen Varianten sein Wunschmaterial ausgewählt und sich für ein spezielles Metallprodukt wie Ziffern oder Blumenkübel entschieden hat, gibt der Besteller die verschiedenen Maße an. Er wählt Durchbrüche und kann sich jederzeit die von ihm generierte Form sowie Preis und Gewicht ansehen. Mit dieser Leistungsfähigkeit ist der Konfigurator laut Blumenstock nicht nur in der Metallbranche einzigartig, er ließ sich daher auch problemlos über ein Patent schützen. Passt das maßgeschneiderte Metall, gibt der Kunde die Bestellung auf und bezahlt den individuell berechneten Preis per Vorkasse. Erst dann wird das Metall zugeschnitten und versendet.
Ein Jahr dauerte die Entwicklung, bis das Portal im Oktober 2005 endlich online gehen konnte. “Die Entwicklung verlief jedoch anders als geplant”, konstatiert Blumenstock noch immer überrascht. Nicht die ursprünglich avisierte Zielgruppe der Heimwerker dominiert. Vielmehr sind ein Großteil der Besteller Firmen, die sich ihr Metall maßgenau liefern lassen. Die Zahl der Kunden nimmt langsam, aber beständig zu, und die Resonanz ist durchweg positiv. Auch die Hotline, hinter der auch mal ein Mitarbeiter von Mez Frintrop oder sogar die Chefs Bernd Mez oder Henry Frintrop selbst sitzen können, wird selten in Anspruch genommen. “Wenn jemand anruft, geht es meist nicht um den Bestellvorgang, sondern um die Auswahl der verschiedenen Metallqualitäten, also um Beratung”, erklärt Blumenstock. Manchmal will ein Kunde auch einfach nur eine menschliche Stimme hören und ein paar Worte austauschen. Die Bedienung des Konfigurators jedenfalls werfe keine Fragen auf. Allerdings: Wer Metall bestellt, ist in der Regel auch ein erfahrener Hand- oder Heimwerker, der Seitenlängen und Durchbrüche sofort bestimmen kann.
“Wer einmal bestellt hat, kommt wieder”, freut sich der Firmenchef. Weil es bequemer ist, im Internet zu bestellen als zum Produktionsbetrieb zu fahren und weil auch die Preise mit etwa fünf bis acht Prozent unter den meisten Präsenzanbietern liegen. Auf diesen Lorbeeren ausruhen will sich Blumenstock jedoch nicht. Um weitere Kunden zu gewinnen, will das Unternehmen die bisherigen Marketing-Maßnahmen wie Messeauftritte, Adword-Anzeigen und Mailings an Gewerbetreibende ausbauen. Darüber hinaus arbeiten die Schwaben kräftig an Kooperationen mit Heimwerkermärkten. “Uns ist klar, dass wir langfristig starke Partner brauchen”, betont der Mittelständler. Die Idee des Portals sei einfach zu gut, die Gefahr von Nachahmern nicht auszuschließen. Zwar habe sein Unternehmen durch den Patentschutz Zeit gewonnen, doch helfe dieser keineswegs dauerhaft, den Wettbewerb abzuhalten.
Svenja Hofert
Posted: January 28th, 2008 under Business.
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